WAS MICH NICHT SCHLAFEN LÄSST...
Berlin zählt zu den zentralen Standorten der bildenden Kunst in Deutschland und international. Gleichzeitig sehen sich viele bildende Künstler*innen mit strukturellen Belastungen konfrontiert, die ihre berufliche Handlungsfähigkeit und gesellschaftliche Teilhabe einschränken. Zu den zentralen Problemlagen gehören Erfahrungen sexueller Belästigung, sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch, ein hohes Risiko für Altersarmut sowie unzureichende inklusive Strukturen.
Diese Herausforderungen werden in der aktuellen Studie „Prekäre Hauptstadt, kreative Existenzen – Eine empirische Untersuchung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Künstler*innen in Berlin“ des bbk berlin deutlich herausgearbeitet. Die dort erhobenen Daten zeigen, dass es sich nicht um vereinzelte Schwierigkeiten handelt, sondern um systemische Unterversorgungen in mehreren Handlungsfeldern.
Werden diese strukturellen Problemlagen nicht systematisch adressiert, besteht die Gefahr, dass Maßnahmen in den relevanten Bereichen rein symbolisch bleiben. Unser Vorhaben setzt daher an den Ergebnissen der genannten Studie an und verfolgt das Ziel, konkrete Veränderungsprozesse in den drei identifizierten Themenschwerpunkten anzustoßen. Das Projekt „Was mich nicht schlafen lässt…“ entwickelt hierfür eine Reihe von Veranstaltungsformaten, die der Sichtbarmachung und Wissensvermittlung, dem Austausch, der Erfassung bestehender Fehlstellen und der Vernetzung dienen. Ziel ist, gemeinsam Strategien zu entwickeln und erste Lösungsansätze anzustoßen:
- Modul I: Sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch in der bildenden Kunst — Analyse bestehender Strukturen, Sensibilisierung und Entwicklung von Handlungsperspektiven.
- Modul II: Altersarmut in der bildenden Kunst — Sichtbarmachen der ökonomischen Risiken und Erarbeitung erster Lösungsansätze.
- Modul III: Bildende Kunst braucht Inklusion — Identifikation struktureller Barrieren und Stärken inklusiver Rahmenbedingungen.
Durch Vorträge, Workshops, Beteiligungsformate und Vernetzungsveranstaltungen sollen branchenspezifische Bedarfe sichtbar gemacht, Wissenslücken geschlossen und Perspektiven für nachhaltige Verbesserungen entwickelt werden. Die Module sind so angelegt, dass sie bildenden Künstler*innen nicht nur kurzfristig Orientierung bieten, sondern auch langfristig die Voraussetzungen schaffen, um Unterstützungsstrukturen und Rahmenbedingungen im Feld der bildenden Kunst professionell zu stärken.
MODUL I: Sexualisierte Gewalt und Machmissbrauch in der bildenden Kunst
Das bildungswerk des bbk berlin lädt zur Auftaktveranstaltung des Modul I: Sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch in der bildenden Kunst im Rahmen des Projektes „Was mich nicht schlafen lässt..." ein. Die Podiumsdiskussion mit anschließender Publikumsbeteiligung soll als Bestandsaufnahme dienen und bestehende Strukturen analysieren und aktuelle Fehlstellen aufzeigen.
Moderation: Fatima Çalışkan, Moderatorin, Autorin, kulturpolitische Beraterin
Podiumsteilnehmer*innen:
- Patrick Alan Banfield, Bildender Künstler
- Ivana de Vivanco, Bildende Künstlerin, Professorin an der HGB Leipzig
- Dr. Katrin Giere, Rechtsanwältin und Mediatorin bei DUNKEL
- Veronika Kracher, Autorin, Publizistin und Expertin für „belastende Männer im Internet"
- Maren Lansink, geschäftsführende Justiziarin der Themis Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt e.V.
- Stefanie Lohaus, Journalistin, Autorin, Mitglied der Geschäftsführung und Leiterin Kommunikation der EAF Berlin, Projektleiterin des Bündnis "Gemeinsam gegen Sexismus", Mitgründerin und Mitherausgeberin des Missy Magazine
Es wird eine Simultanübersetzung vom Englischen ins Deutsche und umgekehrt geben.
Ort: frizzforum, Plenum (EG), Friedrichstraße 23, 10969 Berlin // Das Gebäude ist barrierearm und rollstuhlgerecht.
Zeit: Montag, 19. Oktober 2026, 18-21 Uhr // Einlass ab 18 Uhr, Podium mit Öffnung für das Publikum von ca. 18:15-20:15 Uhr, offener Ausklang bis 21 Uhr
Anmeldung: Die Teilnehmer*innenzahl ist begrenzt. Es wird um formlose Anmeldung mit entsprechendem Betreff bis zum 18.10.2026 gebeten: @email
Die eigene Stimme finden - Empowerment durch Körper, Sprache und Stimme - Workshop mit Birte Opitz und Lilian Schwerdtner
Laut werden und sich Gehör zu verschaffen, ist generell eine Herausforderung für FLINTA*. Das gilt erst recht bei sexualisierter Gewalt. Denn gerade der Körper wird bei sexualisierter Gewalt attackiert, Körpergrenzen gegen den eigenen Willen überschritten, Intimität verletzt, die Stimme bleibt im Hals stecken. Betroffene werden häufig aufgefordert, „das Schweigen zu brechen“ – doch oft begegnen ihnen dann Schweigen oder negative Reaktionen. Tatsächlich kann es bei der Verarbeitung des Erlebten helfen, die eigene Stimme und das eigene Selbstvertrauen wiederzufinden. Als Podcasterinnen zum Thema sexualisierte Gewalt kennen Birte Opitz und Lilian Schwerdner diese Auseinandersetzung und das Ringen darum, sanfte, passende, selbstermächtigende Worte zu finden, die nicht erneut verletzen, sehr gut.
Wie lässt sich also wieder in Kontakt treten mit dem eigenen Körper und der eigenen Stimme? Welche selbstermächtigtenden Wörter können gefunden werden? Wie können Betroffene den Raum einnehmen, der ihnen zusteht? Und wie kann man Betroffene als Außenstehende unterstützen und ein offenes Ohr anbieten? Gemeinsam mit den Workshopteilnehmerinnen* werden Strategien entwickelt, wie wir uns zu selbstermächtigendem Sprechen über sexualisierte Gewalt ermutigen können. Der Körper der Teilnehmer*innen wird mit einbezogen, wenn es um das Finden und Erheben der eigenen Stimme geht. Neben Inputs, Diskussionen und Zeit für eigene Reflexionen, werden wir uns sowohl auf experimentelle Übungen aus der Tanz-, Körper- und Stimmarbeit einlassen, sowie Übungen aus der feministischen Selbstbehauptung verwenden. Es wird sowohl achtsam und verletzlich, als auch laut und kraftvoll werden.
Ort: frizzforum, Raum 2.1 (2. Etage), Friedrichstraße 23, 10969 Berlin // Das Gebäude ist barrierearm und rollstuhlgerecht, alle Etagen sind über einen Fahrstuhl erreichbar.
Zeit: Dienstag, 20. Oktober 2026, 16-19:30 Uhr
Anmeldung: FLINTA*s only. Die Teilnehmer*innenzahl ist begrenzt. Eine vorherige Anmeldung bis zum 18.10.2026 ist erforderlich.
Antifeministische und querfeindliche Parolen - Workshop mit Kerstin Butenhoff (Aufstehen gegen Rassismus)
Antifeministische und queerfeindliche Begriffe, Positionen und Narrative sind weit verbreitet und begegnen uns nicht zuletzt in Form alltäglicher Sprüche. Sie sind alles andere als harmlos und können als Einstieg in rechte Weltbilder fungieren. Für FLINTA* in den bildenden Künsten sind sie oft mehr als nur eine Randerscheinung: Sie zeigen sich in Werkstattgesprächen, im Seminarraum, in Jurys, Ateliers und im Kontakt mit Vermittlungspersonal — und häufig dort, wo bestehende Geschlechterverhältnisse und Hierarchien ohnehin wirksam sind. Besonders heikel wird es, wenn antifeministische oder queerfeindliche Äußerungen in Abhängigkeitsverhältnissen fallen: Wer befristet angestellt ist, als freie*r Mitarbeiter*in arbeitet und auf gute Referenzen angewiesen ist, kann Parolen oft nicht ohne Risiko offen widersprechen. Solche Machtasymmetrien in Beschäftigungsverhältnissen sind kein Nebendetail, sondern Teil des Problems: Sie bestimmen mit, wer sich Gehör verschaffen kann, wer schweigt und reproduzieren so bestehende Verhältnisse.
Mit diesem Workshop möchten wir dazu befähigen, antifeministischen und queerfeindlichen Parolen entschieden entgegenzutreten, wo immer sie uns begegnen; und dabei realistische Strategien für Situationen zu entwickeln, in denen ein offenes Wort mit Nachteilen verbunden sein kann. In praktischen Übungen erproben wir Kommunikationsstrategien und rhetorische Kniffe, die auch unter prekären Bedingungen anwendbar sind, und besprechen, wie Solidarität unter Kolleg*innen und institutionelle Unterstützung genutzt werden können. Außerdem geben wir einen Überblick zu verschiedenen Akteur*innen des organisierten Antifeminismus, schauen uns gängige antifeministische und queerfeindliche Argumentationsmuster genauer an.
Inhaltswarnung: Wir verwenden in unseren Präsentationen und Übungen sexistische, queerfeindliche und anders diskriminierende Beispielaussagen zu Übungszwecken.
Der Workshop ist nicht explizit auf die Bedürfnisse von Personen, die aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung Diskriminierung erfahren, ausgerichtet und damit kein Empowerment-Workshop. Alle sind willkommen und wir versuchen, einen möglichst sicheren Raum für alle Teilnehmer*innen zu schaffen.
Ort: frizzforum, Raum 2.1 (2. Etage), Friedrichstraße 23, 10969 Berlin // Das Gebäude ist barrierearm und rollstuhlgerecht, alle Etagen sind über einen Fahrstuhl erreichbar.
Zeit: Mittwoch, 21. Oktober 2026, 16-19:30 Uhr
Anmeldung: Die Teilnehmer*innenzahl ist begrenzt. Eine vorherige Anmeldung bis zum 18.10.2026 ist erforderlich.
It takes a Village: Colour System + From Bystander to Engaged Peer - Workshop with Anneleen Lemmens and Aike Roodenburg (Engagement Arts Belgium)
How can we move from cultures of silence to collective responsibility and solidarity?
It Takes a Village: From Bystander to Engaged Peer is a one-day workshop for cultural workers and artists ("peers") who want to contribute to a cultural field that is not only safer, but more sustainable and flourishing. With the tools we provide, we aim to collectively shift from bystander culture towards a sector built on shared responsibility, accountability and solidarity.
The workshop day consists of two parts. In the morning, we introduce the Colour System. This tool is a first step toward developing a shared language for talking about transgressive behaviour within professional art contexts. It provides practical guidance to approach situations - that are often perceived as ambiguous - in a more analytical and objective way. Participants work with criteria that can help examine and articulate why something is or is not okay in a specific context. These are then practiced through example situations. (The Colour System was developed by Sociaal Fonds Podiumkunsten in collaboration with Sensoa and Engagement Arts.)
In the afternoon, the focus shifts towards knowledge-sharing. We look at the psychological and structural barriers, as well as sector-specific risk factors, that play an important role. We explore what caring work environments can look like, map out the rights of artists and cultural workers (what does the law say?), and examine the available support network. All of this is made concrete through strategies for engaged peers, which are applied to a number of example situations discussed in the morning.
Programme:
- 10am-1pm (10-13 Uhr): The Colour System: A framework for identifying and analysing transgressive behaviour in workplace contexts.
- *Lunch 1-1.45pm (13-13:45 Uhr)
- 1.45-4.45pm (13:45-16:45 Uhr): It Takes a Village: From Bystander to Engaged Peer
Explores bystander culture and art-specific risk factors, outlines the legal framework and support pathways, and builds practical skills for moving from bystander to engaged peer.
Place: frizzforum, Raum 2.1 (2. Etage), Friedrichstraße 23, 10969 Berlin // The building is accessible and wheelchair-friendly; all floors can be reached by lift.
Time: Thursday, 22. October 2026, 10am-5pm (10-17 Uhr)
Registration: The number of participants is limited. Prior registration is required by 18.10.2026.
Das bildungswerk des bbk berlin lädt zur Vernetzungsveranstaltung des Modul I: Sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch in der bildenden Kunst im Rahmen des Projektes „Was mich nicht schlafen lässt..." ein. Die Podiumsdiskussion mit anschließender Vernetzung soll branchenspezifische Bedarfe sichtbar machen und bildenden Künstler*innen nicht nur kurzfristig Orientierung bieten, sondern auch langfristig die Voraussetzungen schaffen, um Unterstützungsstrukturen und Rahmenbedingungen im Feld der bildenden Kunst professionell zu stärken.
Moderation: Fatima Çalışkan, Moderatorin, Autorin, kulturpolitische Beraterin
Podiumsteilnehmer*innen:
- Larissa Hassoun, Referent*in für Diskriminierungsprävention und Beschwerdemanagement in Arbeitsverhältnissen beim Modellprojekt Externe Kollektive Beschwerdestelle (exkoBe) für den Berliner Kulturbereich
- Anneleen Lemmens, Engagement Arts Belgium
- Maren Lansink, geschäftsführende Justiziarin der Themis Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt e.V.
- Vanessa Wozny, Co-Sprecherin der Kunst- und Musikhochschulen der Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen e.V. (bukof), hauptberufliche Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Universität der Künste Berlin (UdK)
Es wird eine Simultanübersetzung vom Englischen ins Deutsche und umgekehrt geben.
Ort: frizzforum, Plenum (EG), Friedrichstraße 23, 10969 Berlin // Das Gebäude ist barrierearm und rollstuhlgerecht.
Zeit: Freitag, 23. Oktober 2026, 18-21 Uhr // Einlass ab 18 Uhr, Podium von ca. 18:15-19:15 Uhr, Vernetzung von ca. 19:15-20:15 Uhr, offener Ausklang bis 21 Uhr
Anmeldung: Die Teilnehmer*innenzahl ist begrenzt. Es wird um formlose Anmeldung mit entsprechendem Betreff bis zum 18.10.2026 gebeten: @email
MODUL II: Altersarmut in der bildenden Kunst
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MODUL III: Bildende Kunst braucht Inklusion
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