
D I A L O G E: Interdisziplinäre und interkulturelle Projekte - Bärbel Rothhaar
Kunst entsteht aus Reibung: die „Übersetzungs-Leistungen“ zwischen den künstlerischen Disziplinen können ebenso anregend aber auch konfliktreich sein wie die Begegnung von Menschen aus verschiedenen Kulturen. Im Seminar werden einige gelungene Projekte vorgestellt, vor allem aber in praktischen, prozessorientierten Übungen und Teamarbeiten eigene Ideen für die Arbeit in Schulen entwickelt.
Alle Fragen rund um die Durchführung von Projekten, wie Motivation und Profil eines Projekts, Möglichkeiten der Kooperation mit Schülern und Lehrern, sowie Budgetierung und Finanzierungsmöglichkeiten werden behandelt.
An jedem der Seminartage wird ausreichend Zeit für Feedback, Selbstreflexion und für den Erfahrungsaustausch über evtl. bereits durchgeführte oder geplante Projekte der Teilnehmer/innen sein.
1. Tag
Erfahrungsaustausch: Vorstellung von Best Practice, sowohl von Seiten der Dozentin wie auch der Teilnehmer, die schon Erfahrungen mitbringen.
Dabei Fragen formulieren, die für das Seminar wichtig sind:
> Wie entwickle ich ein Projekt mit einem klaren Profil? Was ist mein Anliegen / meine Motivation?
> Wie baue ich eine Kooperation auf? Partnerschaftliches Arbeiten mit Lehrer/innen und Schüler/innen erfordert, gemeinsam Rollen und Regeln zu definieren, Vertrauen und gegenseitigen Respekt zu erarbeiten.
> Prozessorientierte Pädagogik: Alles, auch „Fehler“, können im ergebnisoffenen künstlerischen Arbeiten als Material begriffen werden. Auch ich selbst als Künstler/in befinde mich in einem (Lern-) Prozess.
> Interventionen wirken als Stolpersteine und liefern Denkanstöße innerhalb der täglichen Routinen eines Ortes oder einer Institution. Die Schule wird als Lebens- und Arbeitsumfeld reflektiert, Irritation wird als Potential genutzt.
> Interdisziplinäres Arbeiten
- Kunst entsteht aus Reibung: die „Übersetzungs-Leistungen“ zwischen den künstlerischen Medien oder verschiedenen Disziplinen
- Einbeziehung anderer Schulfächer (Deutsch, Biologie, Geschichte, Darstellendes Spiel, Musik etc)
- Teams mit Künstler/innen verschiedener Disziplinen erarbeiten Modelle der Inter- und Transdisziplinarität. Dies kann z.B. durch künstlerische Rückmeldungen oder Aufgabenstellungen erfolgen, in denen Schüler als künstlerische Partner ernst genommen werden.
- Einsatz verschiedener Medien – (Umgang mit evtl schlechter technischer Ausstattung der Schulen)
- Nicht nur technische und künstlerische Kompetenzen werden in künstlerischen Dialogen erarbeitet, sondern auch die sog. Softskills, im Wesentlichen: Zuhören, Kommunizieren, Kooperieren
- Interdisziplinäre Ansätze eignen sich in besonderem Maß für interkulturelle Projekte, da sie Zugänge über die verschiedenen Sinne und Wahrnehmungsebenen erschließen.
> Kunst als Laboratorium im interkulturellen Kontext - Interkulturelles Lernen
- In der Regel arbeiten wir ohnehin an Schulen mit hohem Migrantenanteil. Wir können diese Tatsache ignorieren oder sie zum Ausgangspunkt machen. Gerade weil jede/r der Schüler/innen seine/ihre eigenen Inhalte mitbringt, kann das Anderssein als Reichtum erfahren werden. Alltagsthemen, auch die der jeweils fremden Kultur werden als „kunsttauglich“ erfahren. Themen wie Migration, Heimat und Identität werden mit Hilfe ästhetischer Prozesse bearbeitet.
- Gerade im interkulturellen Kontext ist es wichtig, einen „dritten Raum“ zu eröffnen, einen offenen Bereich sowohl zwischen den kulturellen Räumen, wie auch zwischen der Alltagswelt der jeweiligen Institution und mir als Künstler/in. Gerade weil wir nicht wissen, wie das Endprodukt auszusehen hat, lassen wir uns auf eine Partnerschaft, ein Arbeiten auf Augenhöhe, ein.
- Kulturelle Missverständnisse und Vorurteile können als Material begriffen werden, Grenzen werden spielerisch getestet, eigene und fremde Werte unaggressiv überprüft. Wie bei jedem ergebnisoffenen Prozess gibt es Risiken, aber auch unendlich viele Chancen. Gerade die „schlechten“ Schüler“ haben die Chance, ihre oft besonderen Potentiale zur Geltung zu bringen.
- Künstlerische Qualität fordern! Das Arbeiten mit persönlichen Themen in ihrer Kunst ist für Künstler/innen ein Wagnis, umso mehr aber für Schüler, denn eigene Themen spielen im Schulalltag selten eine Rolle. Experimentieren, Scheitern und Verwerfen sind aber notwendige Bestandteile des künstlerischen Prozesses. Wichtig ist es, dass die Schüler/innen die Ernsthaftigkeit kennenlernen, den Respekt vor der eigenen Arbeit, mit denen Künstler/innen um die bestmögliche Form ihrer Werke ringen.
2. Tag
- Anträge formulieren, Budgetierung und Finanzierungsmöglichkeiten
- Übungen zum interdisziplinären und interkulturellen Arbeiten
- Theoretische Inputs
- Einzelarbeit und Arbeitsgruppen zur Entwicklung eigener Konzepte
3. Tag
- Theoretische Inputs
- Weiterarbeit an der Entwicklung eigener Konzepte
- Vorstellung der Konzepte, Diskussion: Künstler/innen wirken in der Schule als außerinstitutionelle Partner – sie geben keine Noten, sondern versuchen die Eigenmotivation der Teilnehmer über ihre innere Beteiligung und Identifikation zu erreichen. Gerade der Aussicht auf eine öffentliche Präsentation kommt eine besondere Bedeutung zu. In der „Endphase“ des Projekts schärfen sich die Konturen, das Werk wird noch einmal aus dem Blickwinkel des potentiellen Betrachters gesehen, der Umgang mit dem Lampenfieber wird geübt.
- Abschluss und Nachhaltigkeit der Projekte: Präsentation, Dokumentation und Evaluation formen den eigentlichen Abschluss und eröffnen Wege für neue Projektideen. Die Offenheit, den eigenen Prozess zu reflektieren und aus den Fehlern zu lernen, ist Voraussetzung für Nachhaltigkeit.
- Evaluation des Seminars
