
Die Produzentengalerie als Beispiel der Künstler-Selbstorganisation - Martin Mertens
Die Produzentengalerie ist eine Alternative, die es den Künstlern ermöglicht, selbst aktiv zu werden.
Das Seminar präsentiert die Produzentengalerie als eine Möglichkeit für Künstler im Kunstmarkt erste Schritte zu unternehmen und einen Einstieg in den kommerziellen Kunstmarkt zu finden. Das Seminar findet an zwei Tagen mit jeweils vier Stunden statt.
1. Tag
Vorstellung des Dozenten und der Teilnehmer. Die jeweilige Motivation für die Teilnahme am Seminar bzw. ihre eigene künstlerische Arbeit und ihr Lebenslauf werden kurz angesprochen. Es folgt eine Übersicht über das Thema und eine Erläuterung der Kunstmarktsituation in Berlin untermauert durch ausgewählte Fakten aus der „Kunstmarkststudie Berlin“ 2004.
Was ist „Künstlerselbstvermarktung“? Sie umfasst den Kontakt Galerist-Künstler, Marktstrategien ohne Galerie, sowie Hinweise zur eigenen Website, Netzwerkaufbau- und Pflege, Recherche zum Kunstmarkt, Selbstpositionierung, Preisgestaltung usw.)
Dann folgt das Kernthema Produzentengalerie:
Es wird eine historische Übersicht über die Entwicklung der Produzentengalerien gegeben, die mit der Selbsthilfegalerie „Großgörschen 35“ in Berlin 1964 beginnt und bis zu aktuellen Neugründungen oder bestehenden Produzentengalerien führt. Dabei werden unterschiedliche Konzepte (marktwirtschaftlich und künstlerisch orientierte) vorgestellt.
Es werden an konkreten Beispielen die möglichen Rechtsformen einer Produzentengalerie erläutert (GbR, e.V. Gmbh.) und unterschiedliche Organisationsstrukturen (komplette Selbstverwaltung, professionelle Verwaltung mit festem externen Galeristen, Mischformen..)
2. Tag
Der zweite Tag behandelt konkrete Maßnahmen und Strategien einer möglichen Neugründung.
Zunächst wir das Thema Produzentengalerie einer SWOT (Stärken-Schwächen) Analyse unterzogen. Dabei werden Ziele, Chancen, Möglichkeiten und Risiken einer Produzentengalerie genau analysiert. Dies umfasst zentrale Fragen wie:
- Welche strategischen Zielsetzungen sind möglich?
- Was wollen die Gründungsmitglieder für sich und die Galerie erreichen?
- für welche Künstler ist die PG sinnvoll?
- Zweckehe als Werbegemeinschaft von Einzelkämpfern oder sinnvoll kombinierte Künstlergruppe?
- Lage, Größe, Kosten des Galerieraumes
- Wo liegen die besonderen Vorteile und Chancen dieser Organisationsform?
- Welche realistischen Möglichkeiten bieten sich an?
- Wie sieht der Markt in Berlin konkret aus? Wie sind Verkaufschancen einzuschätzen? Wie kann sich eine solche PG im Idealfall entwickeln ?
- Was ist konkret an Maßnahmen zu tun, um bekannt zu werden?
- Welche finanziellen, künstlerischen und sonstigen Risiken bestehen?
Ein eigenes Kapitel behandelt das Thema Kunstmessen, da diese einerseits sehr wichtig geworden sind andererseits durch die hohen Kosten ein großes finanzielles Risiko darstellen. Es folgt das Thema Finanzierung. Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es?
Den Teilnehmern wird ein sehr detaillierter Kostenplan in zwei Varianten (Sparvariante und Profivariante) ausgehändigt, erläutert und diskutiert.
Abschließend wird ein möglicher Gesellschaftervertrag einer GbR (die häufigste und in der Regel sinnvollste Variante einer PG) genau erläutert und diskutiert. Die Teilnehmer erhalten einen Mustervertrag. Die genauen vertraglichen Regelungen untereinander sowie mit einem möglichen externen Galeristen werden detailliert vorgestellt.
Am Ende des Seminars ist Zeit für Diskussionen eingeplant und es bleibt genügend Raum auch bestehende Projekte der Teilnehmer zu besprechen und gegebenenfalls beratend zu unterstützen.
Das ganze Seminar findet in Form eines Vortrags statt, der viel Raum für Nachfragen und Diskussionen bietet und die konkreten Erfahrungen und Wünsche der Teilnehmer einbezieht. Den Teilnehmern werden die wichtigsten Themen (Finanzierung, Gesellschaftervertrag) in schriftlicher Form ausgehändigt, so dass sie in Ruhe nachzulesen sind.
Außerdem erhalten sie eine Liste mit ca. 20 aktiven Produzentengalerien und deren Kontaktdaten, die es den Teilnehmern ermöglicht, Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen einzuholen oder evtl. sich an diesen Projekten zu beteiligen.
Die Teilnehmer sollen nach dem Seminar einschätzen können, welche Möglichkeiten sie für sich sehen, bei der Neugründung einer Produzentengalerie mitzuwirken oder sich in bestehende Projekt einzubringen.
Es wird faktisches Wissen über Möglichkeiten der Finanzierung, der praktischen Umsetzung und der notwendigen Arbeitsschritte sowie Chancen und Risiken vermittelt.
Ein Lernziel ist auch die eigne Haltung zum Kunstmarkt zu überdenken und das eigene Auftreten als Künstler im Kunstmarkt selbstbestimmt und aktiv gestalten zu können.
Ziele sind also:
- Das Verstehen der Mechanismen im Kunstmarkt am Beispiel der PG.
- Die konkrete Anwendung dieses Wissens
- allgemein eine Professionalisierung im Umgang mit dem eigenen künstlerischen Werk
